Frauen treiben Wachstum von ETFs in der Schweiz
Der Trend zu börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs) setzt sich in der Schweiz fort: Mittlerweile nutzt mehr als ein Drittel der Schweizer Anlegenden ETFs. Besonders stark wächst die Nutzung bei Frauen, deren ETF-Wissen sich zugleich deutlich verbessert. Gleichzeitig wandelt sich die Informationsbeschaffung: FinFluencer erreichen vor allem junge Anlegende und tragen insbesondere bei Frauen zu einem besseren Finanzverständnis bei. Das zeigt die neue ETF-Anlegerstudie Schweiz der Hochschule Luzern.
ETFs prägen zunehmend den Schweizer Fondsmarkt. Innerhalb eines Jahres ist der Anteil Schweizer Anlegerinnen und Anleger, die ETFs nutzen, von 31 Prozent im Jahr 2025 auf nun 35 Prozent gestiegen (Abbildung 1). Besonders verbreitet sind ETFs bei Jüngeren: 44 Prozent der unter 45-Jährigen investieren mittlerweile in ETFs, gegenüber 26 Prozent der Anlegenden ab 45 Jahren.
Abbildung 1: Die ETF-Durchdringung steigt innerhalb eines Jahres um vier Prozentpunkte auf 35 Prozent. Die Anzahl ETF-Anlegende in der Umfrage steigt um mehr als 10 Prozent. (Zum Vergrössern draufklicken)
Frauen holen beim Thema ETFs auf
Besonders stark wächst die ETF-Nutzung bei Frauen: Im Vergleich zum Vorjahr steigt der Anteil der Anlegerinnen mit ETFs um sechs Prozentpunkte auf 27 Prozent, bei Männern lediglich um einen Prozentpunkt (Abbildung 2). Damit entfallen 70 Prozent des gesamten Zuwachses auf Frauen. «Der starke Zuwachs bei Frauen zeigt, dass ETFs in immer breiteren Anlegerkreisen Fuss fassen. ETFs sind auf dem Weg, klassische Anlagefonds als Standardprodukt in Schweizer Anlageportfolios abzulösen – insbesondere bei Jüngeren», ordnet Studienleiter Brian Mattmann von der Hochschule Luzern ein. Parallel zur steigenden Nutzung verbessert sich auch das ETF-Wissen: Der Anteil der Frauen mit mindestens grundlegenden ETF-Kenntnissen steigt von 38 auf 44 Prozent. Bei Männern liegt dieser Anteil unverändert bei 64 Prozent. Die Wissenslücke zwischen Frauen und Männern wird damit kleiner, bleibt aber beträchtlich. Ermittelt wurde das ETF-Wissen anhand von acht standardisierten Wissensfragen.
Abbildung 2: Das Wachstum der ETF-Nutzung wird insbesondere von ETF-Anlegerinnen getrieben. (Zum Vergrössern klicken)
FinFluencer als wichtiger Informationskanal für jüngere Anlegende
FinFluencer erreichen besonders häufig ETF-Anlegende: 37 Prozent hatten bereits Kontakt mit ihnen, gegenüber 22 Prozent aller Schweizer Anlegenden. Bei ETF-Anlegenden unter 45 Jahren sind es sogar 51 Prozent. ETFs stehen dabei im Fokus: 74 Prozent der ETF-Anlegenden mit FinFluencer-Kontakt haben entsprechende Inhalte wahrgenommen.
Besonders ausgeprägt ist der Einfluss bei Frauen: 77 Prozent der ETF-Anlegerinnen mit Kontakt zu FinFluencern geben an, dass diese ihr Verständnis von Finanzanlagen verbessert haben (Abbildung 3). Bei mehr als jeder zweiten wurde nach eigenen Angaben auch ein Kaufentscheid beeinflusst. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei 30 Prozent. «FinFluencer sind mehr als ein Randphänomen der Finanzkommunikation, sie vermitteln Wissen und können sogar Anlageentscheide beeinflussen», sagt Co-Studienautor Jürg Fausch von der Hochschule Luzern. Damit wachse auch die Verantwortung. «Wer Anlageentscheide mitprägt, trägt Verantwortung. Umso wichtiger sind fachlich fundierte Inhalte und Transparenz über kommerzielle Interessen – das gilt für FinFluencer ebenso wie für ihre Auftraggeber», betont HSLU-Kollege Mattmann.
Abbildung 3: Die deutliche Mehrheit der männlichen und weiblichen ETF-Anlegenden mit FinFluencer-Kontakt gibt an, dass FinFluencer ihr Finanzverständnis verbessert haben. Bemerkung: Rundungsbedingt weicht die Summe von 100 Prozent ab. (Zum Vergrössern klicken)
Aktive ETFs sorgen für mehr Auswahl – aber auch mehr Komplexität
Auch das ETF-Angebot verändert sich. ETFs stehen nicht länger ausschliesslich für passives Investieren: 13 Prozent der in der Schweiz verfügbaren ETFs werden mittlerweile aktiv verwaltet. Zudem entfällt fast jeder zweite neu lancierte ETF auf einen aktiven ETF (Abbildung 4). Doch die grössere Auswahl erhöht zugleich die Anforderungen an das Produktverständnis. 43 Prozent der Befragten, die sich gegen aktive ETFs aussprechen, nennen ein unzureichendes Verständnis des Produktkonzepts als wichtigsten Grund. «Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet die grössere Auswahl auch, dass Produktwissen wichtiger wird. ETFs sind heute nicht mehr automatisch gleichbedeutend mit passivem Investieren», sagt Timo Böhninger von finanzen.ch, der Auftraggeberin der Studie.
Abbildung 4: Aktive ETFs erweitern das Produktangebot rasch, stellen aber immer noch eine Nische dar. Gleichzeitig erhöhen sie für Anlegende die Komplexität bei der ETF-Auswahl. (Zum Vergrössern klicken)
Mehr als 110’000 selbstverwaltete ETF-Sparpläne
Die Studie erfasst erstmals auch den Schweizer Markt für ETF-Sparpläne. «Mit ETF-Sparplänen können Anlegende eigenständig ETFs auswählen und regelmässig automatisiert einen festgelegten Betrag investieren», erklärt Co-Autor Karsten Döhnert von der Hochschule Luzern. Bei den analysierten Anbietern bestehen derzeit mehr als 110’000 selbstverwaltete ETF-Sparpläne mit einem Anlagevermögen von über 800 Millionen Franken. Gemessen an der Zahl der Investoren besteht weiterhin Wachstumspotenzial. Bislang nutzen erst 14 Prozent im freien Vermögen einen ETF-Sparplan, während rund ein Drittel Interesse an einem solchen Angebot bekundet. Die ETF-Anlagelösung ist vor allem bei jungen Menschen verbreitet: 73 Prozent derjenigen, die einen ETF-Sparplan nutzen, sind unter 45 Jahre alt.
ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026
Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 der Hochschule Luzern untersucht die Entwicklung des Schweizer ETF-Marktes sowie das Anlageverhalten der Schweizer ETF-Anlegerschaft. Im Zentrum stehen unter anderem die Verbreitung und Nutzung von ETFs, das ETF-Wissen, Informationskanäle und FinFluencer, die Bedeutung der ETF-Anbietermarke sowie ETF-Sparpläne und neue Produktentwicklungen wie aktive ETFs. Finanzen.ch hat die Studie bei der HSLU beauftragt. Dazu wurde vom 28. Mai bis 9. Juni 2026 mit dem Schweizer Marktforschungsinstitut intervista eine Umfrage unter 3‘572 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz durchgeführt. Die Repräsentativität bezieht sich auf Alter, Geschlecht und Sprachregion. Die wissenschaftliche und inhaltliche Verantwortung liegt vollumfänglich bei der Autorenschaft der HSLU.